Jagd
Wald und Rehwild

Naturverjüngung in einem Mischwald

Erfolgreiche Naturverjüngung

Der Wald ist Lebensraum für viele Wildtiere. Und manche Bäume sind auch auf Wildtiere angewiesen, zum Beispiel bei der Bestäubung oder der Verbreitung der Samen. Was ist da das besondere an der Verbindung von Wald und Rehwild?

Rehwild fühlt sich in Hecken, an Waldränder und vergleichbaren Biotopen besonders wohl. Große hallenartige Wälder bieten für Rehwild hingegen nur wenig Deckung und Äsung. Naturnah Bewirtschaftete Wälder sind vielfältig: Dort findet man mehrere Baumarten, verschiedene Baumalter und Waldentwicklungsphasen. Kurzum: Sie sind reich an Strukturen. Genau das mag Rehwild!
Rehwild ist also ein Kulturfolger. Die moderne, naturnahe Forstwirtschaft verbessert den Lebensraum für Rehwild.
An Forststraßen und auf Rückegassen gibt es viele Stauden und krautige Pflanzen als Äsung (=Waldinnenränder). Die Waldverjüngung unter dem Schirm der Altbäume erhöht das Angebot an Äsung und Deckung. Das sind nur zwei Gründe, warum sich die Rehwildbestände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht haben. Doch wie wirkt sich eine erhöhte Rehwildpopulation auf den Waldumbau in unseren Wäldern aus?
Die Antwort finden Sie in den Gutachten zum Zustand der Waldverjüngung:
Die Bayerische Forstverwaltung in Pfaffenhofen hat im Jahr 2016 unter dem Thema "Wald, Hopfen und Rehwild" eine Veranstaltungsreihe initiert, um den oben genannten Aspekten nachzugehen.

Rückschau auf eine Infoveranstaltung am 11. Juli 2016 in Geisenfeld
Wald, Hopfen und Rehwild: Wie passt das zusammen?

Rehwildverbiss an TanneZoombild vorhanden

Rehwildverbiss an Tanne

Sie haben mehr Baumarten im Altbestand als in der Verjüngung? Ist der Verbiss eines einzelnen Jahrestriebes wirklich so schlimm? Und wie wirkt sich der Abschuss von Rehwild eigentlich auf die Rehwildbestände aus? Steigt die Population nicht, wenn Geißen eher zwei anstatt nur ein Kitz bekommen? Und besteht ein Zusammenhang zwischen Wildverbiss im Wald und Fegeschäden im Hopfen?

Bei der Info-Abendveranstaltung erläuterte Andreas Tyroller (Waldreferent des Bayerischen Bauernverbandes) einprägsam, wie wichtig es ist, dass sich alle Mitglieder einer Jagdgenossenschaft zu dem Thema Wald und Wild austauschen. Nur wenn feststeht, ob der Jagdpachtschilling, die Wildschadenssituation, das Jagdessen oder noch ganz andere Aspekte für die Jagdgenossen wichtig sind, wird das von den Vorfahren der heutigen Eigentümern erkämpfte Jagdrecht verantwortungsvoll ausgeübt. Und auch nur dann kann ein passender Jäger gefunden werden.
Benjamin Scharnagl (Förster am AELF Pfaffenhofen) erläuterte in seinem fachlich fundierten Vortrag „Rehwild und Forstwirtschaft“, die Lebensweise des Rehwildes und wie es von der modernen Forstwirtschaft profitiert: Waldinnenränder an Forstwegen, mehr Licht und folglich Stauden und Unterwuchs durch die Anlage von Rückegassen und ein insgesamt gestufter Wald durch gepflanzte und natürliche Waldverjüngung führten in den vergangen Jahrzehnten zu einer deutlichen Zunahme an Äsung und Deckung. Zäunungen sind nur eine forstwirtschaftliche Krücke, die viel Geld Kosten und den Lebensraum für das Wild verringern. Zudem ergänzte er Ergebnisse von Forschungsarbeiten zur Rehwildpopulationsdynamik: Demnach wird es starke Kitze nur durch starke Geißen geben. Ein schwaches Kitz wird immer ein schwaches Reh bleiben. Und: Auswirkungen von Populationsveränderungen (Abschuss - Zuwachs) sind erst nach ca. 3 Jahren spürbar.

Dr. Andreas Hahn (kommissarischer Forstbereichsleiter am AELF Pfaffenhofen) zielte in seinen Vortrag auf die ökologischen und die finanziellen Vorteile ab, die Waldbesitzer von einer Laubholzbeimischung haben: Die Wälder werden deutlich stabilere gegen abiotische Schäden, v.a. Stürme. Finanziell sind die Erträge durch die schwach korrelierten Holzpreise von Laub- und Nadelhölzern deutlich ausgeglichener, weniger schwankend und seltener negativ.

Lehrfahrt am 19. Juli 2016
Exkursion in den westlichen Landkreis Landshut

Es gibt viele Möglichkeiten, wie die Jagdausübung organisiert werden kann. Denn auch beim Thema Wald-und-Wild können viele Wege „nach Rom führen“. Das AELF Pfaffenhofen hat daher zusammen mit der Waldbesitzervereinigung Pfaffenhofen eine Lehrfahrt durchgeführt, bei der wir von den Erfahrungen aus dem Nachbarlandkreis profitieren wollten. Denn es sollte das gemeinsame Ziel von Waldbesitzern und Jägern sein, den Rehwildverbiss bis zur nächsten Aufnahme in drei Jahren zu vermindern.

Nur in Verbindung jagdlicher und waldbaulicher Aktivität kann ein gesunder, gemischter und zukunftsfähiger Wald entstehen. Und egal ob man angesichts des Klimawandels auf die Tanne, die Lärche oder die Douglasie als Nadelholzart im Ersatz für Fichtenanteile setzt: Eine passende Jagd ist nicht nur für die Verjüngung solcher Nadelhölzer die Voraussetzung!
Forstamtmann Wolfgang Rieger, Leiter des Revieres Pfeffenhausen, stellte den Waldbesitzern verschiedene Waldbilder vor. Er erläuterte an diversen Beispielen, mit welchen Maßnahmen aktiver Waldumbau betrieben und inwieweit dieser staatlich gefördert werden kann. Der Wuchserfolg einer artenreichen klimastabilen Waldverjüngung hängt jedoch auch maßgeblich von einer zielgerichteten waldfreundlichen Jagd ab. Andernfalls muss die Verjüngungsfläche gezäunt werden, was für den Waldbesitzer mit hohen Kosten verbunden ist. Rieger betonte, dass eine gute Zusammenarbeit von Waldbesitzern und Jägern erforderlich sei, um waldbauliche wie jagdliche Ziele gemeinsam zu erreichen.

Kontrovers wurden die Möglichkeiten der Jagdgenossenschaften zur Bewirtschaftung ihrer Reviere in Form von Eigenbewirtschaftung und Verpachtung diskutiert. Für die Jagdgenossenschaft führt die Eigenbewirtschaftung zu einem zeitlichen Mehraufwand. Auf der anderen Seite erhalten die Jagdgenossen durch die Eigenbewirtschaftung auch die Verantwortung zurück, für den jagdlichen Erfolg in ihren Wäldern selbst zu sorgen. Dies führt in aller Regel dazu, dass sich die Waldbestände ohne Zaunschutz natürlich verjüngen können. Einigkeit herrschte auf allen Seiten darüber, dass Wildschäden nur bewältigt werden können, wenn sich Jäger und Waldbesitzer kooperativ zeigen und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Im Pfarrwald Neuhausen zeigte Rieger, dass forstliche und jagdliche Ziele sehr gut zusammen passen können: In der verpachteten Jagd stellt sich eine flächige Tannenverjüngung ein, die vorgegebenen Abschusszahlen sind problemlos zu erreichen. Rieger erklärte, dass diese Ziele nur mit viel Geduld zu erreichen sind – im Pfarrwald wurde der Waldumbau schon vor mehr als 20 Jahren in die Wege geleitet und seit annähernd zehn Jahren auch jagdlich unterstützt. So konnten immer wieder forstliche Fördermittel für Naturverjüngung von 1.000 bis 1.100€ pro Hektar beantragt werden.

Rückschau auf einen Fachvortrag am 04. November 2016
Vortrag zum Energiehaushalt von Rehen im Jahresverlauf

RehwildfütterungZoombild vorhanden

Liegt hier eine Notzeit vor?
Und wie artgerecht ist das Futter?

Am Freitag den 4. November 2016 hat das AELF zusammen mit der Jägervereinigung Pfaffenhofen und der WBV Pfaffenhofen einen Informationsabend zum Thema „Rehwildfütterung“ im Gasthof Reich in Niederlauterbach veranstaltet. Als fachlichen Experte konnte PD Dr. habil. Andreas König gewonnen werden, der die Arbeitsgruppe Wildbiologie und Wildtiermanagement an der Technische Universität München leitet.

In seinem Vortrag zum Thema „Der Energiehaushalt von Rehen im Jahresverlauf“ hat er die Erkenntnisse aus einer aktuellen Untersuchung von über 200 Rehwildpansen dargestellt. Im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt wurde über diese Untersuchung bereits berichtet (BLW 50 vom 16.12.2016, S. 18 und BLW 51 vom 23.12.2016, S. 54).
  • "Selektierer" anstatt "Konzentratselektierer":
    Rehe werden oft als „Konzentratselektierer“ bezeichnet. Dieser Begriff ist irreführend, da Rehe zwar selektieren, aber trotzdem einen ausreichenden Rohfaseranteil benötigen. Rehe benötigen kein Kraftfutter als „Konzentrat“.
  • "Das Reh ist kein Pferd" (vgl. BLW 51):
    Rehe benötigen Rohfasern zum Wiederkäuen. Denn nur durch ihren basischen Speichel können sie Ihren Pansen vor Übersäuerung schützen. Ist der Rohfaseranteile zu gering, übersäuert der Pansen. Das kann sogar bis zum Tod führen (Pansenübersäuerung!).
  • Rehe sind keine Haustiere:
    Rehe sind Wildtiere. Entscheidend sind nicht nur das Nahrungsangebot in einer Jahreszeit, sondern auch die Reserven (=Fettstoffwechsel). Fütterung ist daher nur in den Notzeiten angebracht. Und die gab es in unserer Region schon lange nicht mehr.
  • Perfekt angepasst:
    Zudem sind Rehe perfekt an Ihren Lebensraum angepasst. Ihre Pansenflora und –fauna stellt sich auf die Umgebung ein. Diese Umstellung dauert 2-3 Wochen. Damit können Rehe besser als Schafe (=Rauhfutterfresser) Energie aus Rohfasern ziehen. Im Winter können sie sogar aus Zellulose Energie gewinnen!

Ansprechpartner

Dr. Andreas Hahn
AELF Pfaffenhofen a.d.Ilm
Gritschstraße 38, 85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm
Telefon: 08441 867-105
Fax: 08441 867-333
E-Mail: poststelle@aelf-ph.bayern.de